Erste-Hilfe-Kurs für Viertklässler

Im Ernstfall nicht zögern

Saerbeck - Wie ein Lazarett sah zuletzt immer wieder der Viertklässler-Flur in der St.-Georg-Grundschule aus: überall Kinder mit selbst angelegten Verbänden. Das Hantieren mit Kompressen und Verbandsmull muss faszinierend sein. Nicht weniger interessiert zeigten sich die aktuell Ältesten der Schülerschaft jetzt beim neuen Schwerpunktthema ihres Erste-Hilfe-Kurses: Was tun mit bewusstlosen Personen, eventuell auch noch ohne Atmung und Herzschlag? Von Alfred Riese

Alle einmal ran: Rettungssanitäter Hermann Hörst übt mit Viertklässlern Herz-Lungen-Wiederbelebung. Foto: Alfred Riese

Im Auftrag des Fördervereins erklärte Hermann Hörst vom Malteser Hilfsdienst (MHD) in Greven den Kindern, was sie schon in ihrem Alter tun können, wenn da plötzlich einer am Boden liegt – und der Rettungsassistent probierte es mit ihnen aus, in Partnerübungen, klassenweise jeweils zwei Schulstunden lang.

An den Schultern rütteln, ansprechen, Hilfe rufen. Den Kopf überstrecken, Atmung kontrollieren, Arme und Beine in die passende Position bringen. Und das Drehen in die Seitenlage am Ende ist gar nicht so schwer. Die Handgriffe saßen schnell bei den Viertklässlern, und auch die hundert Kilogramm des Journalisten bekam der zehnjährige Tobias alleine ohne Probleme herum gedreht. „Schon mit dieser Seitenlage kann man leben retten“, rief Hermann Hörsting die Kinder auf, im Ernstfall nicht zu zögern. Bei Erster Hilfe könne man nichts falsch machen – „außer, man macht gar nichts“. Späße über das Thema hörte der Fachmann allerdings nicht so gerne und mahnte stattdessen: „Jeder Mensch hat das Recht auf Hilfe“.

Wenn es nach dem Eifer geht, mit dem die Schülerinnen und Schüler bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung an der Übungspupppe dabei waren, ist die Grundschule jetzt ein ziemlich sicherer Ort. In 15 Sekunden 30 Mal fünf Zentimeter tief das Brustbein herunter drücken, das kostet Kraft, merkten sie, wollten es aber auch ausprobieren. Genauso wie den Defibrillator mit seinen Elektroden und der narrensicheren, vom Gerät gesprochenen Anleitung. Wo solche Teile hängen, wussten die Viertklässler schon, und ebenso, dass sie bei Kammerflimmern des Herzens helfen. Jetzt wissen sie dazu, wie man sie benutzt und dass man nichts falsch machen kann – außer, man benutzt sie gar nicht, wie Hermann Hörsting auch hier zur Ersten Hilfe ermunterte. Sorgen machten sich die Schüler in Nachfragen um gebrochene Rippen und Schwangere.

Nur die erhofften Verbände und die Verwandlungen in Teil-Mumien kamen dieses Mal zu kurz. Immerhin ließ der MHD-Rettungssanitäter Übungsmaterial da. Die Erste-Hilfe-Kurse gehören zum regelmäßigen Programm des Fördervereins der St.-Georg-Grundschule, wie auch zum Beispiel die theaterpädagogischen Einheiten zum Thema „Mein Körper gehört mir“, die Suchtvorbeugung oder Kunstaktionen.